Bildrauschen

Bildbearbeitung und die Grenzen des Machbaren

Manchmal verzweifel ich echt an meiner Arbeit.  Als Retouch Artist arbeite ich jeden Tag mit Bildern verschiedenster Art. Ab und an sind auch mal vom Kunden eingekaufte Stockfotos mit dabei (weil zu teuer bzw. aufwendig sie selbst zu machen), die aufgehübscht oder in einem Composing verbaut werden sollen. Und leider hab ich in der letzten Zeit kaum gute, dafür umso mehr miese Stockfotos retouchen “müssen”.

Stockfotos die vom Urheber schon bearbeitet wurden und zwar nicht auf die gute Art.  Da wird dann mal eben eine mit dem Zauberstab und harter Kante freigestellte Giraffe in eine afrikanische Savanne reincomposed, obwohl das Licht und die Perspektive überhaupt nicht passt und – uuups – auch die Mähne und der Schatten vergessen. Naja, fällt ja in der Bildvorschau vom Stockanbieter doch schon nicht auf, oder???
Oder der Klassiker; das Bild ist eigentlich pixelmäßig viel zu klein für den Verwendungszweck, hat kein eingebettetes Profil oder nur sRGB obwohl es für Print verwendet werden soll und die meiste Struktur ist beim Entwickeln und Komprimieren auch auf der Strecke geblieben.

 

Wie kommen solche Bilder durch den Quality Check

bei den Stockanbietern?

 

Man müsste doch meinen dass die auch nur qualitativ hochwertige Bilder anbieten wollen, damit der Kunde happy ist und gerne wiederkommt. Aber irgendwie achten die anscheinend auf andere Kriterien als ich, die die Bilder dann zwecks Weiterbearbeitung in die Finger bekommt.

Denn natürlich kann man durch Bildbearbeitung wieder einiges rausholen. Kanten absoften, Profile anlegen, Lichtstimmung so weit es geht angleichen aber spätestens bei verlorener Struktur wird es tricky. Dann muss ich tief in die Trickkiste greifen, Struktur malen, mit Rauschen faken oder wiederum aus anderen Bereichen/ Bildern Pixel transplantieren. Und spätestens bei sehr unscharfen Bildern ist Schluss. Ein bisschen nachschärfen ist vielleicht noch drin aber am Ende bin ich auch kein Zauberer.

 

Wirklich unscharfe Bilder bleiben unscharf,

egal was man versucht.

 

Deshalb kann ich nur empfehlen, guck Dir die Bilder ganz genau an, bevor Du sie einkauft!

  1. Wie groß ist das Bild, reicht es aus für den Verwendungszweck?
  2. Liegt die Schärfe dort wo sie sein soll?
  3. Sieht irgendetwas komisch oder auffällig unpassend aus?
  4. Sind Bildteile viel zu dunkel oder zu hell ausgebrannt (kann beim Jpg nur bedingt ausgeglichen werden bevor z.B. anfängt zu rauschen)
    Optimal: guckt euch wenn möglich die Originaldaten an, damit ihr wisst was ihr bekommt.

 

Und wenn Du nicht sicher bist, fragt ruhig bei dem Retouch Artist eures Vertrauens nach, gemeinsam kann man dann oft am besten entscheiden welches Bild für welchen Zweck optimal ist 🙂