Frau mit Pinsel und farbverschmierten Händen

Was macht ein Retouch Artist eigentlich genau?

Wenn ich mich als Retoucher vorstelle, haben die wenigsten eine Ahnung, was sich genau hinter der Bezeichnung verbergen könnte. Sag ich, ich wäre Bildbearbeiter, kommt als erstes: „Ach, also Pickel wegmachen und so?“

Ja, auch das gehört ab und zu mal dazu, beschreibt aber nur einen Mini-Teil meiner Arbeit.

 

Je nach Kunde und Auftrag

variiert der Aufwand für das „perfekte“ Bild erheblich.

 

Manchmal retuschiere ich viele Bilder an einem Tag, wenn z.B. nur störende Elemente im Bild unauffälliger gemacht oder entfernt werden sollen.  Vielleicht passe ich die Bilder auch nur Look-mäßig an (also Farbigkeit / Kontrast), das geht oft relativ schnell.

Eine sensible Beauty-Retusche kann schonmal etwas dauern, wenn das Model nicht „glattgebügelt“ aussehen soll sondern natürlich aufgehübscht. Da male ich auch Haare einzeln damit alles passt und nix fake ausschaut.

Beim nächsten Auftrag sitze ich einige Tage an einem Bild, da es vielleicht aus mehreren Bildern zu einem Composing zusammengesetzt wird. Oder ich „stricke“ an das Ursprungsbild mehr „Fleisch“ um diverse Werbe-Formate bedienen zu können oder damit die einzelnen Bildelemente verschiebbar werden.

Dann greife ich deutlich tiefer in meine Repertoire-Kiste. Ich nehme oft das Bild von Grund auf auseinander um dann die Einzelelemente wieder unauffällig zusammen zu setzten (denn gute Retusche ist nur zu sehen wenn es so gewollt ist!). Damit kann man dann plötzlich Personen oder Objekte verschieben, was Dir die Möglichkeit gibt alles nach genau Deinen Wünschen und Formaten zu positionieren.

 

Wieso das ganze?

Warum nicht gleich das Bild so fotografieren dass alles passt?

 

Einfache Antwort: Weil das oft nicht möglich ist.

Ein Motiv was gleichzeitig als Banner auf Webseiten und als Anzeige funktionieren soll muss möglichst flexibel aufgebaut sein. Sonst wird das Bild vielleicht ungünstig angeschnitten weil es an „Material“ an den Seiten mangelt oder bei einem 18/1 die Auflösung des Motivs plötzlich doch nicht reicht. Jedes Format hat eine andere Größe, andere Bedürfnisse um die ideale Wirkung zu erzeugen. Mit einem „statischen“ Motiv ist das selten zu erreichen.

 

Das alles und noch viel mehr sind mögliche Gründe, wieso ein Bildbearbeiter beauftragt wird „ein paar Pixel umherzuschubsen“. Denn am Ende soll das optimale Motiv für das jeweilige Projekt herauskommen und da geht heute kaum noch ein Weg am Bildbearbeiter vorbei, auch wenn der Betrachter es (hoffentlich) nicht bemerkt.